DIE FARBENLICHTORGEL BEREIT — TASTE DRÜCKEN

Ein synästhetisches Instrument · nach Skrjabins Farbkreis der Quinten

FARBENLICHTORGEL

26 Tasten · 12 Farben · 4 Klangfarben — drücken, zeigen, ziehen.
Der Ton schaltet sich beim ersten Anschlag von selbst ein.

Das Instrument

Eine Orgel ohne Pfeifen

Die Bühne oben ist kein Video und kein Bild. Jeder Ring, jeder Buchstabe und jeder Ton entsteht in dem Moment, in dem du ihn auslöst — und vergeht wieder. Die Tastatur ist das Griffbrett: vier Reihen, vier Klangfarben, darüber eine Pentatonik, die jede Kombination verträgt. Die Farbe eines Tons ist nicht dekoriert — sie folgt dem Quintenzirkel, den Alexander Skrjabin 1910 ans Licht hängen wollte.

Tasten 26 plus Leertaste als Orgelpunkt
Farben 12 eine je Tonart, nach Skrjabin
Klangfarben 4 Wind · Glas · Holz · Erde
Samples 0 jeder Ton wird synthetisiert
Die Stimmung: vier Reihen, vier Register. Die Spalten folgen der Moll-Pentatonik — darum klingt blindes Greifen trotzdem wie Absicht.
ReiheTastenKlangfarbeLage
Wind1 – 0Sägezahn durch wanderndes FilterC6 – F#6
GlasQ – PFM-Glocke, langer AusklangC5 – F#6
HolzA – LMarimba-Pluck, kurzC4 – F#5
ErdeY – MSub mit Pitch-DropC2 – A#3
OrgelpunktLeertastegehaltener Dreiklang mit FilteratemC2 · G2 · C3

1910 · Prometheus

Der Farbkreis der Quinten

Skrjabin hörte Tonarten als Farben. Sein sinfonisches Gedicht Prometheus — Das Gedicht des Feuers (op. 60) enthält eine eigene Stimme für die tastiera per luce: eine Farbenlichtorgel, die den Saal flächendeckend in das Licht der gerade gespielten Tonart tauchen sollte. Die Uraufführung 1911 kam ohne sie aus — das Instrument der gewünschten Leuchtkraft existierte nicht.

Seine Zuordnung folgt dem Quintenzirkel: C ist Rot, und mit jeder Quinte, die eine Tonart weiter von C entfernt steht, wandert die Farbe weiter ins Kühle und Dunkle. Diese zwölf Zeilen sind spielbar — ein Anschlag genügt, die Bühne oben antwortet mit.

Die Farbwerte sind Näherungen — Skrjabins Angaben schwanken je nach Quelle. Die Reihenfolge im Quintenzirkel tut es nicht.

Synästhesie

Vier Ohren, vier Farben

1893 · London — der Instrumentenbauer

Alexander Wallace Rimington baut die erste Farb-Orgel: kein Klang erklingt, nur bewegte Farbflächen auf einer Leinwand. Er versteht Colour-Music als eigene Kunstform — nicht als Begleitung, sondern als Gegenstück.

Rimington: Colour-Music — The Art of Mobile Colour

1910 · Moskau — der Komponist

Alexander Skrjabin schreibt das Licht als eigene Stimme in die Partitur. Für ihn ist C Rot, Fis strahlendes Blau, As violetter Purpur. Wer Prometheus aufführt, soll den Saal mitdenken lassen, was die Harmonik ohnehin tut.

Skrjabin: Prometheus, op. 60 — die luce-Stimme

1912 · München — der Maler

„Die Farbe ist die Taste, das Auge der Hammer, die Seele das Klavier mit vielen Saiten.“ Kandinsky dreht die Orgel um: nicht der Ton erzeugt die Farbe, die Farbe schlägt den Ton an — im Betrachter.

Kandinsky: Über das Geistige in der Kunst

1944 · Paris — der Hörer

Olivier Messiaen erlebt Akkorde als Farbkomplexe und notiert sie wie Orchesterfarben: blaues Violett, Gold, leuchtendes Rot. In seinen späten Werken ist die Farbe des Klangs kein Effekt mehr, sondern das Material.

Messiaen: Technique de mon langage musical

Die Karte

26 Tasten, vermessen

Dieselbe Tabelle, aus der die Bühne spielt — hier als Legende. Taste, Ton, Farbe und Form kommen aus einer einzigen Quelle; was unten steht, ist was oben klingt.