DeepMind-Chef Demis Hassabis tritt zurück
Google DeepMind erlebt einen der größten Führungsumbrüche seiner Geschichte. Demis Hassabis gibt den Posten als CEO auf und wird stattdessen Chairman von Google DeepMind sowie neu geschaffener Chief Scientist von Alphabet. Google-CEO Sundar Pichai kündigte die Änderung in einem internen Memo an. Hassabis bleibt zusätzlich CEO von Isomorphic Labs, dem KI-Wirkstoffforschungs-Spinoff des Konzerns.
Wer übernimmt das Tagesgeschäft? Koray Kavukcuoglu, bisher CTO von Google DeepMind und Googles "Chief AI Architect", wird Senior Vice President und berichtet künftig direkt an Pichai. Er verantwortet damit auch die Entwicklung des kommenden Gemini-4-Modells.
Der zweite große Abgang. Parallel verlässt Jeff Dean, ein 27-jähriger Google-Veteran und zuletzt Chief Scientist von Google DeepMind, das Unternehmen vollständig. Zusammen mit mehreren Kollegen — darunter Senior Fellow Sanjay Ghemawat, DeepMind-VP Oriol Vinyals und Google-Brain-Mitbegründer Quoc Le — gründet er die eigenständige Public-Benefit-Corporation "Discovery Loop". Google steigt dort als Investor und Cloud-Partner ein.
Reaktion der Börse. Die Google-Aktie fiel nach der Ankündigung um über vier Prozent — nachdem sie zuvor von einem Post-Earnings-Tief bereits um 13 Prozent gestiegen war. Anleger scheinen die plötzliche Führungsumstrukturierung mitten im KI-Wettlauf mit Skepsis zu beobachten.
Was Hassabis selbst sagt. In einem Memo an die Belegschaft schrieb Hassabis, er glaube, dass AGI "nah bevorsteht" und er sich künftig voll auf die großen strategischen und wissenschaftlichen Fragen konzentrieren wolle, statt auf das Tagesgeschäft.
Unsere Hypothesen zum Warum
1) Die offizielle Lesart: Fokus auf AGI und große wissenschaftliche Fragen statt operativem Management — Hassabis bleibt als Chairman und Chief Scientist eng eingebunden, gibt aber die Tagesverantwortung ab.
2) Ein langsamer, freiwilliger Rückzug: Laut Insidern war der Schritt bereits seit einem Jahr in Vorbereitung. Hassabis habe zunehmend Verantwortung an Kavukcuoglu abgegeben, weil er als klassischer Tech-Manager weniger Erfüllung fand als in der Rolle des visionären Wissenschaftlers — seine Leidenschaft gilt zuletzt vor allem Isomorphic Labs.
3) Wettbewerbsdruck und die Gemini-Roadmap: Google kämpft sichtbar darum, mit OpenAI und Anthropic Schritt zu halten. Die klare Trennung von Vision (Hassabis) und operativer Exekution (Kavukcuoglu) könnte eine Reaktion auf wahrgenommene Ausführungsschwächen sein.
4) Talentabwanderung als Warnsignal: Der komplette Abgang von Jeff Dean und mehreren Top-Forschern zu "Discovery Loop", zusammen mit dem jüngeren Wechsel von Nobelpreisträger John Jumper zu Anthropic, wirft die Frage auf, ob Google aktuell Mühe hat, Spitzenkräfte zu halten.
5) Marktskepsis: Der Kursrückgang deutet darauf hin, dass Investoren die Rochade nicht eindeutig positiv sehen — womöglich aus Sorge um Führungsstabilität und Kontinuität der Gemini-Entwicklung.
Hinweis: Dies sind Einordnungen auf Basis aktueller Presseberichte (Fastcompany, Gizmodo, Engadget, Fortune, Semafor, Axios/Yahoo Finance, Stand 5.–6. August 2026), keine bestätigten internen Motive.