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Lagebericht · KI-Sicherheit · 14.08.2026

139:1

Auf jeden Stern für ein lebendes Verteidigungswerkzeug kommen 139 für ein Werkzeug, das angreift.

Acht Projekte · Stand 14. August 2026
Dunkel & hell · Tastatur-bedienbar · ohne JS vollständig lesbar
Gegenstand
Quelloffene Werkzeuge für die Sicherheit von KI-Systemen
Stichtag
14. August 2026
Stichprobe
8 Projekte — 5 Prüfstand, 2 Schutzschild, 1 Zwischenstellung
Quelle
Repository-Seiten auf github.com, abgelesen am Stichtag
Kernbefund
Beide Laufzeit-Schutzwerkzeuge der Stichprobe sind archiviert

Der Befund

Es gibt zwei Sorten von Sicherheitswerkzeugen. Die einen greifen an: Sie werfen sich gegen ein System, um zu sehen, wo es nachgibt. Die anderen stehen im Betrieb daneben und halten fest, was durchkommen will. Beide braucht man. Am 14. August 2026 sieht es so aus, als hätte sich das quelloffene Ökosystem entschieden, nur noch eine davon zu bauen.

Auslöser dieser Aufnahme war ein einzelnes Projekt: strix, ein Werkzeug, das autonome Agenten auf die eigene Anwendung loslassen soll, um Schwachstellen zu finden. Es stand an diesem Tag ganz oben in der Trending-Übersicht von GitHub. Um es einordnen zu können, wurden sieben weitere Projekte aus demselben Feld daneben gestellt — Schwachstellen-Scanner, Red-Team-Frameworks, Laufzeit-Filter.

Was dabei herauskam, war nicht die erwartete Rangliste. Es war ein Muster, und zwar ein unangenehmes: Die Werkzeuge, die prüfen, wachsen. Die Werkzeuge, die im Betrieb schützen, sind abgeschaltet. Beide Laufzeit-Schutzwerkzeuge in dieser Stichprobe sind auf GitHub archiviert — eines im Mai 2025, eines im Juli 2026. Sie sind nicht langsamer geworden. Sie sind aus.

Warum dieses Diagramm zwei Skalen braucht

Unten stehen dieselben acht Projekte, gemessen in Sternen. Voreingestellt ist die lineare Skala — die ehrliche, die Grössenverhältnisse so zeigt, wie sie sind. Auf ihr ist die Verteidigung nicht zu erkennen. Nicht klein: nicht zu erkennen.

Der Schalter wechselt auf eine logarithmische Skala. Dort werden die kleinen Werte wieder sichtbar — um den Preis, dass der Abstand zwischen ihnen und der Spitze optisch verschwindet. Beide Bilder sind wahr. Erst der Wechsel zwischen ihnen zeigt, wie gross der Unterschied wirklich ist.

ABB. 1 — STERNE JE PROJEKT
Auf linearer Skala sind die letzten drei Balken schmaler als ein Pixel.
Rot: Werkzeuge, die angreifen. Blau: aktive Verteidigung. Grau: archiviert. Sternzahlen von den Repository-Seiten am 14.08.2026, dort auf Hunderter gerundet dargestellt.

Ein Pixel Verteidigung auf 139 Pixel Angriff. Das Diagramm musste umgebaut werden, damit die andere Seite überhaupt vorkommt.

Teil I · Der Prüfstand

Fünf Werkzeuge, die angreifen

Diese fünf tun im Kern dasselbe: Sie erzeugen Eingaben, von denen sie hoffen, dass sie etwas kaputtmachen, und schauen dann nach, was passiert ist. Der Unterschied liegt darin, worauf sie zielen — auf die Anwendung, auf das Modell oder auf die Zeichenkette selbst.

strix

usestrix · Python · Apache-2.0 Spitzenreiter
Sterne
51 200
Forks
5 500
Commits
713
Offene Issues
110

strix setzt autonome Agenten auf eine Anwendung an, die arbeiten sollen wie ein menschliches Pentest-Team: spezialisierte Agenten für Aufklärung, Ausnutzung und Nachbereitung, die sich abstimmen, Funde teilen und Schwachstellen zu Ketten verbinden. Der Werkzeugkasten ist der eines Angreifers — HTTP-Proxy, Browser-Exploitation, Shell-Zugriff, eine Sandbox für Exploits.

Die interessanteste Entwurfsentscheidung ist die Beweislast: Ein Fund gilt erst, wenn der Agent ihn mit einem funktionierenden Proof of Concept belegt hat. Das ist die Antwort auf die Krankheit, an der automatisierte Sicherheitswerkzeuge seit jeher leiden — eine Flut von Meldungen, die niemand mehr nachprüft, bis alle aufhören hinzusehen. Wer Ausführbarkeit zur Bedingung macht, hat Falschmeldungen nicht reduziert, sondern definitorisch ausgeschlossen.

Abgedeckt wird die Bandbreite der OWASP Top 10: Injection, kaputte Zugriffskontrolle, serverseitige Lücken wie SSRF, XXE und RCE, clientseitige wie XSS und CSRF, Authentifizierungsfehler, umgangene Geschäftslogik, falsch konfigurierte Infrastruktur. Mit 713 Commits ist das Projekt jung — die 51 200 Sterne sind ein Vertrauensvorschuss, keine Betriebsbilanz.

big-list-of-naughty-strings

minimaxir · Textdatei · MIT
Sterne
47 700
Forks
2 200
Commits
273
Abhängigkeiten
keine

Das zweitgrösste Projekt dieser Aufnahme ist eine Textdatei. blns.txt sammelt Zeichenketten mit hoher Wahrscheinlichkeit, Schaden anzurichten, wenn man sie als Benutzereingabe verwendet: Steuerzeichen, Unicode-Fallstricke, SQL- und Skript-Fragmente, Zahlen an den Grenzen der Darstellbarkeit, Zeichenfolgen, die Textrichtungen umkehren. Dazu dieselbe Liste als JSON und in base64, damit sie auf dem Weg zum Testsystem nicht selbst zum Problem wird.

Dass eine Datei ohne Code, ohne Abhängigkeiten und mit 273 Commits in zehn Jahren beinahe so viele Sterne hat wie das aufwendigste Agentenwerkzeug im Feld, ist der nüchternste Befund dieses Berichts. Der Wert liegt nicht in der Maschinerie, sondern darin, dass jemand die Fälle gesammelt hat, an die man selbst nicht denkt. Das gilt für Sprachmodelle nicht weniger als für Eingabefelder — nur heisst es dort Prompt Injection.

promptfoo

promptfoo · TypeScript · MIT
Sterne
24 200
Forks
2 200
Commits
9 364
Fork-Quote
91 /1000 ★

promptfoo begann als Testwerkzeug für Prompts und ist zu einer Plattform geworden, die Prompts, Agenten und RAG-Aufbauten prüft und daneben Red-Teaming und Schwachstellen-Scans für KI-Anwendungen anbietet. Modelle verschiedener Anbieter lassen sich gegeneinander laufen lassen, Ergebnisse landen wahlweise in der Kommandozeile oder in einer Weboberfläche, die Sicherheitsberichte erzeugt.

Mit 9 364 Commits ist es das mit Abstand am dichtesten bearbeitete Projekt der Stichprobe — mehr als das Dreizehnfache von strix. Das ist der Unterschied zwischen einem Projekt, das gerade Aufmerksamkeit bekommt, und einem, das seit Jahren gepflegt wird. Wer aus dieser Liste eine Werkzeugkette bauen will, findet hier die längste Betriebsspur.

garak

NVIDIA · Python · Apache-2.0
Sterne
8 800
Forks
1 200
Sonden-Klassen
18+
Träger
NVIDIA

garak nennt sich schlicht „the LLM vulnerability scanner“ und zielt, anders als strix, nicht auf die Anwendung, sondern auf das Modell selbst. Geprüft wird auf Halluzination, Datenabfluss, Prompt Injection und weitere Versagensmuster — mit statischen, dynamischen und sich anpassenden Verfahren.

Die Sonden sind nach Angriffsart sortiert und tragen sprechende Namen: dan für Jailbreaks, encoding für Umgehungen über Kodierung, promptinject, malwaregen, glitch für Tokens, bei denen Modelle aus der Spur laufen. Angebunden werden Hugging Face, OpenAI, AWS Bedrock, Replicate, Cohere, Groq und weitere.

Bemerkenswert ist die Trägerschaft: Ein Hersteller, dessen Geschäft am Verkauf von Rechenleistung für genau diese Modelle hängt, unterhält das Werkzeug, das ihre Schwächen sichtbar macht. Das ist keine Selbstlosigkeit, sondern die Einsicht, dass ein Markt für unprüfbare Modelle kleiner ist als einer für prüfbare.

PyRIT

microsoft · Python 90,4 % · MIT umgezogen, lebt
Sterne
4 000
Forks
796
Commits
1 516
Releases
21
Stand
v0.14.0 · 05.06.26
Bekannte Nutzer
228

Das Python Risk Identification Tool ist Microsofts Baukasten für das systematische Angreifen generativer Systeme — gedacht für Sicherheitsfachleute, die Risiken finden sollen, bevor ein System in Betrieb geht. 21 Releases und 228 bekannte abhängige Projekte sprechen für Gebrauch, nicht nur für Beifall.

PyRIT taucht in diesem Bericht an zwei Stellen auf, und das ist eine wichtige Unterscheidung: Das alte Repository unter Azure/PyRIT wurde am 27. März 2026 archiviert. Das ist kein Todesfall, sondern ein Umzug nach microsoft/PyRIT. Wer Archivierungsdaten zählt, ohne die Weiterleitung zu lesen, produziert genau die Art von Fehlbefund, vor der dieser Bericht weiter unten warnt.

Teil II · Der Schutzschild

Zwei Werkzeuge, die schützen sollten. Beide sind aus.

Ein Laufzeit-Schutz ist etwas anderes als ein Testwerkzeug. Er läuft nicht vor der Auslieferung, sondern währenddessen: Er sieht jede Eingabe und jede Antwort und entscheidet in Millisekunden, ob sie durchgehen darf. Beide Projekte dieser Gattung in der Stichprobe sind auf GitHub als archiviert markiert und damit schreibgeschützt.

llm-guard

protectai · Python · MIT archiviert
Sterne
3 200
Forks
433
Eingangs-Scanner
15
Ausgangs-Scanner
20
Abgeschaltet
09.07.2026

llm-guard war das vollständigste Stück Laufzeit-Verteidigung im Feld: 35 Scanner, aufgeteilt in 15 für die Eingabe und 20 für die Ausgabe. Eingangsseitig Anonymisierung, Erkennung von Prompt Injection, Geheimnissen, unsichtbarem Text, Code, Kauderwelsch und Themenverboten. Ausgangsseitig Prüfung auf sensible Daten, bösartige URLs, faktische Konsistenz, Relevanz, Voreingenommenheit und darauf, ob das Modell die Antwort überhaupt verweigert hat.

Das ist eine bemerkenswert durchdachte Liste, und sie liest sich wie ein Katalog dessen, was in der Praxis wirklich schiefgeht. Am 9. Juli 2026 wurde das Repository archiviert; auch die zugehörigen Modelle auf Hugging Face werden nicht mehr gepflegt. Die 35 Scanner sind nicht verschwunden — MIT-lizenzierter Code lässt sich weiter benutzen. Aber niemand pflegt mehr die Muster, gegen die sie prüfen, und eine Erkennungsregel von gestern ist gegen einen Angriff von morgen ungefähr so wirksam wie ein Virenscanner ohne Signaturupdate.

rebuff

protectai · Apache-2.0 archiviert
Sterne
1 500
Forks
140
Schutzebenen
4
Abgeschaltet
16.05.2025

rebuff war ein Detektor gegen Prompt Injection mit vier hintereinandergeschalteten Ebenen: Heuristiken, die verdächtige Eingaben aussortieren, bevor sie das Modell erreichen; ein eigenes Modell, das den Rest beurteilt; eine Vektordatenbank, die Einbettungen früherer Angriffe vorhält, um Ähnliches wiederzuerkennen; und Kanarienvogel-Tokens, die anschlagen, wenn der Systemprompt nach aussen dringt.

Besonders die letzte Ebene ist elegant: Statt zu versuchen, jeden möglichen Angriff vorherzusehen, legt man eine Markierung aus und wartet, bis sie an einer Stelle auftaucht, an der sie nicht sein dürfte. Das erkennt auch Angriffe, an die niemand gedacht hat — die einzige Verteidigungsart, die gegen Unbekanntes überhaupt funktionieren kann. Archiviert seit Mai 2025, vom selben Anbieter wie llm-guard.

Zwei von zwei. Beide Laufzeit-Schutzwerkzeuge dieser Stichprobe stammten vom selben Anbieter — das schwächt den Befund, löst ihn aber nicht auf.

Teil III · Die Zwischenstellung

Ein Werkzeug, das den Bauplan prüft

agentic-radar

splx-ai · Python 85,2 % · Apache-2.0 aktiv
Sterne
975
Forks
130
Frameworks
5
Analyse
lokal

agentic-radar sitzt zwischen den beiden Lagern. Es greift nicht die laufende Anwendung an und steht auch nicht im Betrieb daneben, sondern liest den Quellcode eines Agenten-Aufbaus und zeichnet, was es findet: den Ablauf als interaktiven Graphen, die eingebundenen Werkzeuge, die angesprochenen MCP-Server. Unterstützt werden OpenAI Agents, CrewAI, n8n, LangGraph und Autogen.

Die gefundenen Schwachstellen werden auf etablierte Rahmenwerke abgebildet — OWASP Top 10 für LLMs und die Bedrohungsmodelle für agentische Systeme. Dazu kommt Prompt-Härtung, die knappe Anweisungen in strukturierte, abgesicherte Systemprompts umschreibt, und ein Laufzeittest, der Angriffe tatsächlich abfeuert: Prompt Injection, Abfluss personenbezogener Daten, schädliche Inhalte. Ein Workflow für GitHub Actions liegt bei.

Die Analyse läuft lokal, ohne den Quellcode nach aussen zu geben — dasselbe Zugeständnis an die Rechtsabteilung, das auch andere Werkzeuge dieser Generation machen. Mit 975 Sternen ist agentic-radar das kleinste Projekt hier und zugleich das einzige verteidigende, das noch gewartet wird. Auf diese eine Zahl stützt sich die gesamte rechte Seite der Rechnung 139:1 — was sie nicht besser macht, aber ehrlicher beschreibt, als der Nenner es vermuten lässt.

Chronik der Abschaltungen

  1. 16.05.2025
    rebuff archiviert. Der Prompt-Injection-Detektor mit den vier Schutzebenen wird schreibgeschützt gestellt. 1 500 Sterne, 140 Forks.
  2. 27.03.2026
    Azure/PyRIT archiviert — aber nur umgezogen. Das Repository verweist auf microsoft/PyRIT, wo die Arbeit weiterläuft. Kein Verlust, sondern eine Umbenennung: der eine Fall in dieser Chronik, der bei flüchtigem Lesen falsch gezählt wird.
  3. 05.06.2026
    PyRIT v0.14.0. Beleg dafür, dass der Umzug kein Abschied war — zweieinhalb Monate nach der Archivierung des alten Ortes erscheint die nächste Version.
  4. 09.07.2026
    llm-guard archiviert. 35 Scanner gehen offline, die zugehörigen Modelle auf Hugging Face werden nicht weiter gepflegt. Damit ist die Laufzeit-Verteidigung in dieser Stichprobe vollständig eingestellt.
  5. 14.08.2026
    Stichtag. strix führt die Trending-Übersicht an. Fünf Wochen nach dem Ende von llm-guard steht dem grössten Angriffswerkzeug des Feldes ein einziges gewartetes Verteidigungsprojekt gegenüber.

Drei Erklärungen — keine bewiesen

Der Befund steht; seine Ursache steht nicht fest. Die folgenden drei Erklärungen sind plausibel und teilweise miteinander vereinbar. Keine davon lässt sich mit den hier erhobenen Daten belegen — sie sind als Hypothesen gekennzeichnet, weil sie welche sind.

Der Schutz ist nicht verschwunden, er ist umgezogen

Die wahrscheinlichste Erklärung: Laufzeit-Filter sind vom offenen Ökosystem in die Plattformen der Modellanbieter gewandert. Wer Inhaltsprüfung, Erkennung von Prompt Injection und Ausgabefilter direkt beim Anbieter eingeschaltet bekommt, hat wenig Anlass, eine eigene Bibliothek davorzuschalten — und noch weniger, sie zu pflegen.

Das wäre keine schlechte Nachricht, sondern Arbeitsteilung. Sie hat allerdings einen Preis, der selten mitgenannt wird: Verteidigung, die nur beim Anbieter stattfindet, ist von aussen nicht prüfbar. Man kann nicht nachlesen, wogegen gefiltert wird, nicht testen, wann der Filter irrt, und nicht widersprechen, wenn er sich ändert. Bei llm-guard konnte man alle 35 Scanner im Quellcode nachlesen.

Angriff ist demonstrierbar, Verteidigung nicht

Ein Angriffswerkzeug liefert ein Ergebnis, das man vorzeigen kann: hier ist die Lücke, hier der funktionierende Exploit. Ein Verteidigungswerkzeug liefert im Idealfall gar nichts — nichts ist passiert, und niemand weiss, ob deshalb, weil der Schutz gewirkt hat, oder weil ohnehin niemand angegriffen hat.

Diese Asymmetrie schlägt auf jede Kennzahl durch, die auf Aufmerksamkeit beruht. strix kann in einem Demovideo eine Anwendung aufbrechen. llm-guard kann zeigen, dass eine Anfrage geblockt wurde — was nur überzeugt, wenn man vorher glaubt, dass sie gefährlich war. Sterne messen, was beeindruckt, und Verhinderung beeindruckt nicht.

Vielleicht schaut dieser Bericht am falschen Ort

Die unbequemste Erklärung ist, dass die Stichprobe schief ist. Laufzeit-Verteidigung könnte in Projekten stecken, die sich nicht als KI-Sicherheit bezeichnen: in API-Gateways, in Werkzeugen zur Richtliniendurchsetzung, in Beobachtbarkeits-Plattformen, die Anomalien melden. Solche Projekte tauchen in keiner Suche nach „LLM security“ auf und wären hier nie aufgefallen.

Beide Schutzwerkzeuge dieser Aufnahme stammen zudem vom selben Anbieter. Was hier wie ein Strukturwandel aussieht, könnte in Teilen die Geschäftsentscheidung einer einzelnen Firma sein. Das ist der ernsteste Einwand gegen die Rechnung 139:1, und er wird in diesem Bericht nicht ausgeräumt, sondern nur benannt.

Befunde

  1. B1 belastbar
    Beide Laufzeit-Schutzwerkzeuge der Stichprobe sind archiviert — rebuff seit dem 16.05.2025, llm-guard seit dem 09.07.2026. Das ist keine Auslegung, sondern der auf GitHub hinterlegte Zustand: Die Repositories sind schreibgeschützt.
  2. B2 gerechnet
    135 900 Sterne stehen für Werkzeuge, die prüfen und angreifen; 975 für das einzige gewartete verteidigende Projekt. Das Verhältnis 139:1 ist korrekt gerechnet, hängt aber vollständig an einem einzigen Nenner. Ein zweites aktives Verteidigungsprojekt in der Stichprobe würde es halbieren.
  3. B3 Entwarnung
    Die Archivierung von Azure/PyRIT am 27.03.2026 ist ein Umzug nach microsoft/PyRIT, kein Ende. Version v0.14.0 erschien am 05.06.2026, danach. Wer Archivierungsdaten automatisiert zählt, zählt diesen Fall falsch.
  4. B4 Beobachtung
    Das zweitgrösste Projekt des Feldes ist eine Textdatei ohne Code und ohne Abhängigkeiten. big-list-of-naughty-strings kommt mit 273 Commits auf 47 700 Sterne — ein Hinweis darauf, dass der knappe Rohstoff in diesem Feld nicht Technik ist, sondern die Sammlung der Fälle, an die man selbst nicht denkt.
  5. B5 Beobachtung
    Alle acht Projekte sind permissiv lizenziert — viermal MIT, viermal Apache-2.0. Der archivierte Code bleibt damit nutzbar. Was fehlt, ist nicht das Recht zur Weiterverwendung, sondern die Pflege der Muster, gegen die geprüft wird.
  6. B6 Einschränkung
    Beide archivierten Schutzwerkzeuge stammen von protectai. Ein Teil des Befundes könnte die Strategieänderung eines einzelnen Anbieters sein statt einer Bewegung des Ökosystems. Ohne eine breitere Erhebung ist das nicht zu trennen.

Übersicht

Spaltenüberschrift anklicken zum Sortieren, Suchfeld zum Filtern. Ohne JavaScript bleibt die Tabelle vollständig lesbar.

Projekt Rolle Zustand Sterne Forks Sprache Lizenz
usestrix/strixPruefstandaktiv512005500PythonApache-2.0
minimaxir/big-list-of-naughty-stringsPruefstandaktiv477002200TextMIT
promptfoo/promptfooPruefstandaktiv242002200TypeScriptMIT
NVIDIA/garakPruefstandaktiv88001200PythonApache-2.0
microsoft/PyRITPruefstandaktiv4000796PythonMIT
protectai/llm-guardSchutzschildarchiviert3200433PythonMIT
protectai/rebuffSchutzschildarchiviert1500140TypeScriptApache-2.0
splx-ai/agentic-radarZwischenstellungaktiv975130PythonApache-2.0

Methodik und ihre Lücken

Wie gezählt wurde — und wo die Rechnung angreifbar ist

Auswahl. Ausgangspunkt war strix aus der Trending-Übersicht vom 14.08.2026. Die übrigen sieben Projekte wurden ergänzt, weil sie in Übersichten zu KI-Red-Teaming regelmässig gemeinsam genannt werden. Das ist eine Gelegenheitsstichprobe, keine Vollerhebung — sie kann zeigen, dass ein Muster existiert, aber nicht, wie verbreitet es ist.

Einteilung. Die Zuordnung zu Prüfstand, Schutzschild und Zwischenstellung stammt von diesem Bericht, nicht von den Projekten. Sie folgt einer Frage: Läuft das Werkzeug vor der Auslieferung oder während des Betriebs? promptfoo liesse sich mit guten Gründen auch anders einordnen, weil es neben Red-Teaming vor allem Evaluation macht. Wer es herausnimmt, ändert den Zähler um 24 200 — das Verhältnis fällt dann auf rund 114:1 und der Befund bleibt.

Zahlen. Alle Werte stammen von den öffentlichen Repository-Seiten, nicht aus der API, und sind dort gerundet dargestellt. Sternzahlen messen Aufmerksamkeit, nicht Verbreitung, nicht Qualität und nicht Wartungsgesundheit. Sie sind hier die Masszahl, weil sie für alle acht Projekte einheitlich vorliegen — nicht, weil sie die beste wären. Eine Erhebung über Paketregister-Downloads oder abhängige Projekte würde ein anderes und wahrscheinlich nüchterneres Bild ergeben.

Der Nenner. Die Zahl 139:1 hängt an einem einzigen aktiven Verteidigungsprojekt. Das ist rechnerisch korrekt und rhetorisch aufgeladen. Wer die archivierten Werkzeuge mitzählt, kommt auf rund 24:1; wer ein weiteres aktives Verteidigungsprojekt findet, halbiert den Wert. Die Zahl ist als Grössenordnung gemeint, nicht als Messwert — und sie steht so gross auf der Titelseite, weil die Grössenordnung das Ergebnis ist.

Was fehlt. Keine Aussage zur Wirksamkeit eines der Werkzeuge. Keine Prüfung, ob die Scanner von llm-guard je zuverlässig funktioniert haben. Keine Erhebung kommerzieller, geschlossener Verteidigungsprodukte — die es gibt und die in dieser Betrachtung vollständig fehlen. Dieser Bericht beschreibt den Zustand eines öffentlichen Ökosystems an einem Tag, mehr nicht.

Was bleibt

Die verbreitete Sorge im Umgang mit KI-Sicherheit lautet, dass die Angreifer bessere Werkzeuge bekämen. Diese Aufnahme legt eine andere nahe: Die Werkzeuge sind gut geworden — auf beiden Seiten —, aber nur eine Seite wird noch gebaut. Ein archiviertes Repository ist kein verlorener Code. Es ist ein aufgegebener Wartungsvertrag.

Das lässt sich prüfen. Wenn die Plattform-These stimmt, müssten die Filter der Modellanbieter heute leisten, was llm-guard leistete — nachprüfbar, dokumentiert und testbar. Wer das feststellen will, braucht dafür ausgerechnet die Werkzeuge aus Teil I dieses Berichts. Der Prüfstand wäre dann nicht der Gegner der Verteidigung, sondern das letzte Mittel, sie zu kontrollieren.

Lagebericht KI-Sicherheit · Stand 14. August 2026 · 8 Projekte
Alle Kennzahlen von den öffentlichen Repository-Seiten, abgelesen am Stichtag
Gesetzt mit mzone-ui 1.5.0 · Diagramme mit chart.js 4.4.6