Mandelbrot · Observatorium
Opus II · Geometria Fractalis · MMXXVI
recto — aleksandro
Observatorium · Plate Folio

Mandelbrot.A Cartography of Escape Times

Opus XI Plates·One Hidden Constant

Elf Gravuren, gestochen nach der Art alter Kartografen. Jede Platte öffnet einen Ausblick auf die Menge der beschränkten Orbits — Fluchtzeit, Julia, Perioden, Kardioide, Buddhabrot, externe Strahlen, Vermessung — und führt am Ende zu einer Konstanten, die niemand in eine Iteration graviert hätte.

PlateI

Der Orbit

Eine einzige Zeile Arithmetik, unendlich oft gefaltet. Klicke ein c — und beobachte, wohin der Punkt läuft.

Starte bei z = 0, quadriere, addiere c, wiederhole. Das ist alles. Für manche c bleibt der Punkt für immer gefangen — er pendelt, kreist, verfängt sich in einem Zyklus. Für andere entkommt er unaufhaltsam in Richtung Unendlich. Die Menge der gefangenen c ist die Mandelbrot-Menge.

z₀ = 0, zₙ₊₁ = zₙ² + c

Klicke in die Karte rechts: Der Orbit des gewählten c wird Schritt für Schritt graviert — goldene Segmente, solange der Punkt wandert; ein karmesinroter Punkt, wenn er entkommt; ein türkiser Ring, wenn er in einen Zyklus fällt.

Der Fluchtradius ist 2: Sobald |z| > 2, ist die Flucht bewiesen und unumkehrbar.
c = —
Re(c)—
Im(c)—
Schritt n—
Status—
PlateII

Die Fluchtzeit

Wie schnell entkommt ein Punkt? Die Antwort, in Kupfer und Teal gemalt, ist das berühmteste Bild der Mathematik.

Zähle, nach wie vielen Iterationen |z| die 2 überschreitet — die Fluchtzeit. Punkte, die nie entkommen, bleiben tintenschwarz. Der Rand, an dem die Fluchtzeiten gegen unendlich steigen, ist die eigentliche Menge: dort wohnt die gesamte Komplexität.

ν = n + 1 − log₂(ln|zₙ|)

Die geglättete Fluchtzeit ν verwischt die Bänder zu einem kontinuierlichen Höhenfeld. Der Regler maxIter legt die Messtiefe fest — je tiefer, desto schärfer die Küstenlinie; der zweite Regler wickelt die Farbpalette enger oder weiter.

Klick zoomt an die angeklickte Stelle. Reset stellt die Gesamtansicht wieder her.
w = 3.20
PlateIII

Die Selbstähnlichkeit

Vier Stationen einer Reise in den Rand — jede ein eigenes Wappen, keine eine Kopie der anderen.

Die Menge ist nicht exakt selbstähnlich — sie ist quasi-selbstähnlich: In jeder Tiefe tauchen verzerrte Miniaturen der Gesamtfigur auf, jede leicht verbogen, jede in ein neues Ornament gefasst. Seepferdchen winden sich im Tal bei −0.745 + 0.113i, Elefanten marschieren am reellen Saum.

c ∈ M ⇔ supₙ |zₙ| < ∞

Wähle unten eine Station — oder klicke selbst in die Karte: Jeder Klick vervierfacht die Vergrösserung an der getroffenen Stelle. Die Messtiefe wächst automatisch mit dem Zoom.

Seepferdchen-Tal, Elefanten-Tal, die dreifache Spirale und die Feigenbaum-Spitze sind klassische Ankerpunkte der Fraktal-Kartografie.
w = 3.20
PlateIV

Die Julia-Spiegel

Halte c fest und lasse stattdessen den Startpunkt wandern — jede Stelle der Karte birgt ein eigenes Universum.

Dieselbe Iteration, die Rollen vertauscht: c wird eingefroren, z₀ durchläuft die Ebene. Heraus kommt die Julia-Menge J(c). Liegt c innerhalb von M, hängt J(c) zusammen — ein Festland. Liegt c ausserhalb, zerfällt sie zu Staub, Cantor-Staub aus unendlich vielen Inseln.

J(c) = ⇾{ z₀ : zₙ₊₁ = zₙ² + c bleibt beschränkt }

Klicke links in die Mandelbrot-Karte: Rechts erscheint die zugehörige Julia-Menge. Beobachte, wie Festland in Staub zerfällt, sobald das Fadenkreuz die Küste verlässt — die Mandelbrot-Menge ist das Inhaltsverzeichnis aller Julia-Mengen.

Voreinstellung: c = −0.7269 + 0.1889i, eines der schönsten zusammenhängenden Exemplare.
c = −0.7269 + 0.1889i
M · c wählen
J(c)
PlateV

Die Perioden-Knospen

Im Innern läuft nichts davon — alles kreist. Die Frage ist nur: nach wie vielen Schritten kehrt der Punkt zurück?

Für c im Innern konvergiert der Orbit gegen einen anziehenden Zyklus. Im Herzen — der Kardioide — ist die Periode 1, im grossen linken Knospen-Kreis 2, in den oberen und unteren Knospen 3. Färbe jedes c nach seiner Periode, und die Menge wird zur Landkarte ihrer inneren Uhrwerke.

|f₊(z*) − z*| < ε ⇒ Periode p

Klicke in eine gefärbte Region: Der Zyklus wird numerisch vermessen und die ersten Glieder der Kreisbahn rechts angezeigt.

Die Knospenfolge entlang der Kardioide liest die internen Winkel p/q — jede rationale Zahl besitzt genau eine Knospe.
klicke eine Region
c—
Periode—
Zyklus—
PlateVI

Die Kardioide

Das Herz der Menge ist keine Fraktalität, sondern eine geschlossene Kurve — mit Zirkel konstruierbar, in einer Zeile notiert.

Der Orbit hat genau dann einen anziehenden Fixpunkt, wenn der Multiplikator λ = 2z* im Innern des Einheitskreises liegt. Eliminiert man z*, bleibt eine Epizykloide: die Hauptkardioide. Der grosse Kreis bei −1 ist der Perioden-2-Knospen, exakt mit Radius ¼.

c(θ) = eⁱθ/2 − e₂ⁱθ/4, λ = eⁱθ

Bewege θ — der Messpunkt wandert am Rand entlang. An rationalen Bruchteilen einer Umdrehung, θ = 2πp/q, sitzt die Knospe der Periode q. Die Tasten springen zu den prominenten Winkeln.

Der Multiplikator λ liegt stets auf dem Einheitskreis — der Rand ist der Grenzfall zwischen Anziehung und Abstossung.
θ = 0
θ / 2π—
c(θ)—
λ—
KnospeHerz
PlateVII

Der Buddhabrot-Geist

Frage nicht, wer entkommt — frage, welche Wege die Entkommenden nehmen. Aus ihren Spuren steigt eine Gestalt.

Drehe die Messung um: Zähle für jeden Ort der Ebene, wie viele fliehende Orbits ihn durchqueren. Die Dichte dieser Spuren, logarithmisch abgebildet, zeigt eine meditierende Figur — ein Gespenst aus reiner Statistik, das in keiner einzelnen Iteration steht.

ρ(z) = #{ c : der Orbit von c streift z }

Der Prozess sammelt fortlaufend Zufallsproben. Start beginnt die Akkumulation, Pause hält sie an, Reset löscht das Bild. Mit steigendem maxIter wird die Gestalt feiner — und langsamer.

Auf die Seite gelegt: Die klassische Aufrechterhaltung des Buddhas erhält man durch eine Vierteldrehung der Ebene.
0 Proben
PlateVIII

Die Multibrot-Familie

Ersetze das Quadrat durch eine höhere Potenz — die Familie antwortet mit kristalliner Symmetrie.

Die Iteration z → zᵈ + c erzeugt für jedes d ≥ 2 eine eigene Menge. Die Kardioide wird zur Epizykloide mit d−1 Blättern, die gesamte Figur gewinnt eine (d−1)-zählige Drehsymmetrie. Der Quadratfall ist nur das zweitälteste Kind einer unendlichen Familie.

zₙ₊₁ = zₙᵈ + c, d ∈ {2, 3, …, 8}

Der Regler schreitet durch die Exponenten. Beobachte, wie aus dem Apfelmännchen bei d = 3 eine dreizackige Blüte wird, bei d = 4 ein Vieleck aus vier Knospen — und wie die Feinstruktur am Rand mitwächst.

Für d = 2 bleibt alles beim Alten: dieselbe Karte wie in Platte II.
d = 3
Exponent3
Symmetrie2-zählig
PlateIX

Die externen Strahlen

Färbe die Entkommenden nach der Himmelsrichtung ihrer Flucht — feine Linien wachsen aus dem Nichts auf die Küste zu.

Betrachte zum Fluchtpunkt z nicht nur, wann, sondern wohin er entkommt: Das Vorzeichen seines Imaginärteils im Moment des Überschreitens spaltet die Aussenwelt in zwei Felder. Zwischen ihnen ziehen sich scharfe Linien — die externen Strahlen, die an ganz bestimmten Punkten der Küste landen.

θ(c) = arg(zₒℓ⃏∗)/2π (externer Winkel)

Nach Douady und Hubbard landet jeder Strahl mit rationalem Winkel: an Wurzeln von Knospen oder an chaotischen Spitzen. Die Aussenwelt trägt so ein Adresssystem der gesamten Menge. Die zweite Ansicht zeigt die Fluchtzeit-Parität — die Niveaulinien der Flucht.

Die vermeintlichen Bäche sind Artefakte der Diskretisierung — in Wahrheit glatte Äquipotentiallinien und Strahlen.
Binärzerlegung
PlateX

Die Vermessung

Wie rau ist eine Küste, die auf jeder Skala neue Buchten hat? Das Observatorium holt das Messraster hervor.

Lege ein Gitter der Maschenweite ε über die Karte und zähle die Kästchen N(ε), die Rand berühren. Halbiere ε, zähle erneut. Aus dem Anstieg der Zählung liest man die Box-Counting-Dimension ab — das Mass der Rauheit.

D = lim ln N(ε) / ln(1/ε)

Die Messung unten läuft über drei Verfeinerungen. Jede Zeile zeigt Maschenweite, Zählung und den lokalen Dimensions-Schätzer. Er steigt hartnäckig — und die Theorie weiss warum: Nach Shishikura (1991) hat der Rand die volle Dimension 2, so viel wie eine Fläche, obwohl er eine Kurve ist.

Ein Kästchen gilt als Rand-Kästchen, wenn unter ihm und seinen acht Nachbarn Gefangene und Entkommene gemischt liegen.
bereit
N
ε (Maschenweite)
N(ε)
D lokal
PlateXI

Das versteckte π

Eine Beobachtung, die selten graviert wird: Zählt man die Schritte durch die engste Stelle der Karte, kommt die Kreiskonstante zum Vorschein.
N·√ε → π an der Nacken-Spitze c = ¼ — eine Iteration, die die Kreiszahl ausspuckt, ohne je einen Kreis gesehen zu haben.

Setze c = ¼ + ε, ein Haar rechts neben der Spitze der Kardioide. Der Orbit quetscht sich durch den Nacken — und braucht dafür umso länger, je kleiner ε ist. Dave Boll bemerkte 1991: Die Fluchtzeit N, mit √ε multipliziert, strebt gegen π. Am Übergang zwischen Herz und Knospe, c = −¾ + iε, gilt dasselbe mit ε statt √ε.

c = ¼ + ε: N·√ε → π  c = −¾ + iε: N·ε → π

Wähle die Messstelle und die Feinheit ε = 10⁻ᵏ. Das Instrument zählt live — der Quotient nähert sich der Konstanten, während die Schrittfolge unten durch den Engpass kriecht.

Entdeckung dieser Session: Der Fehler schrumpft ungefähr wie √ε — jede Dezimalstelle an Feinheit schenkt eine halbe Stelle an π.
ε = 0.01
c—
Fluchtzeit N—
N · Faktor—
π3.14159265
Fehler—