Erkundungsbericht · mzone-publisher · 10. Oktober 2026

Drei Moonshots
für den MZP

Gesucht waren Extravaganzen, die der Publisher aufnehmen könnte – nicht noch ein Diagrammtyp, sondern neue Fähigkeiten. Nach einer Runde durch GitHub, W3C-Entwürfe, Forschungsbibliotheken und Regulierung bleiben drei Themen übrig. Jedes passt an eine Stelle, an der der MZP schon etwas besitzt, das anderen fehlt.

3 Themen4 RandfundeQuellen am EndeStand der Quellen: Oktober 2026

Seiten, die sich bedienen lassen

WebMCP macht eine Webseite selbst zu einem MCP-Server im Browser. Der MZP hat bereits den Weg in den Chat gebaut. Das hier wäre die Gegenrichtung.

Der Fund

WebMCP ist ein Entwurf der W3C Web Machine Learning Community Group (erste Fassung August 2025). Eine Seite meldet mit document.modelContext.registerTool() Werkzeuge an: Name, Beschreibung, JSON-Schema und eine execute-Funktion. Ein Agent im Browser – eingebaut, als Erweiterung oder im iframe – findet sie und ruft sie auf. Er muss dafür keine Pixel deuten und nicht im DOM herumklicken.

Chrome hat ihn ab Version 146 hinter einem Flag ausgeliefert. Seit Chrome 149 läuft ein Origin Trial, laut Berichten bis 156. Im Sommer wanderte die API von navigator nach document. Laut einer Analyse vom Juli 2026 nutzt sie fast keine Website.

Der MZP schreibt jede Seite selbst. Er kann Werkzeuge deshalb so einspielen, wie er heute schon og:-Tags einspielt: einmal im Server, für alle Seiten zugleich.

Warum gerade der MZP

  • Die Hinrichtung steht schon. MCP Apps (MZP-126) zeigt den Diagramm-Viewer im Chat, nachgewiesen gegen den Claude-Host. WebMCP ist das Spiegelbild: Der Viewer im Browser wird für Agenten bedienbar.
  • Der Server kennt die Semantik. Zu jedem Diagramm liegen Knoten, Kanten und Zonen vor, zu jedem lebenden Report die Datenquellen (_data.json), zu jedem Quiz die Antworten. Eine Seite kann also mehr anbieten als „Formular absenden“.
  • Die Bausteine sind da. dv:mark (MZP-132) hebt Knoten hervor, queryDiagram beantwortet Fragen zum Graphen, MZP-165 und MZP-85 bringen Schritte und Abspielen.
/published/slug Diagramm · Report Quiz · Stadt Claude-Chat MCP Apps · MZP-126 besteht Browser-Agent WebMCP neu Viewer kommt in den Chat Seite bietet Werkzeuge an registerTool(…) diagram.describe diagram.findPath diagram.highlight diagram.step report.data · quiz.hint
Hinrichtung (besteht): Der MZP bringt seine Seite in den Chat. Rückrichtung (neu): Die Seite im Browser meldet Werkzeuge an.

Wie es aussähe

// /lib/webmcp-bridge@1.0.0/bridge.js – vom Server in jede Diagramm-Seite gehängt
const mc = document.modelContext ?? navigator.modelContext;   // Umbenennung Chrome 150
if (mc?.registerTool) {
  mc.registerTool({
    name: 'diagram.findPath',
    description: 'Kürzester Weg zwischen zwei Knoten dieses Diagramms, mit Hervorhebung.',
    inputSchema: { type: 'object', properties: { from: {type:'string'}, to: {type:'string'} },
                   required: ['from','to'] },
    async execute({ from, to }) {
      const path = graph.shortestPath(from, to);          // aus dem eingebetteten Modell
      document.dispatchEvent(new CustomEvent('dv:mark', { detail: path.nodes }));
      return { content: [{ type: 'text', text: path.describe() }] };
    }
  });
}

Der eigentliche Moonshot ist ein Tutor-Modus. Jemand öffnet einen Architektur-Report und fragt den Agenten seines Browsers: „Was passiert, wenn der Cache ausfällt?“ Der Agent ruft diagram.findPath und diagram.step auf. Der Leser sieht, wie der Viewer den Pfad Knoten für Knoten hervorhebt. Ein selbst geschriebener Erklärtext ist dafür nicht nötig. Die Seite erklärt sich mit dem Modell, das gerade im Browser läuft.

Erster Schritt

  1. Spike, eine Woche: bridge.js von Hand geschrieben wie chat-bridge.js, ohne npm-Abhängigkeit. Vier Werkzeuge nur im Diagramm-Viewer.
  2. Gegen Chrome Canary mit Flag und gegen ein Test-Harness prüfen, das getTools() und executeTool() aufruft. Das Harness kommt als Testfall in die Suite.
  3. getCapabilities() nennt die angebotenen Werkzeuge je Seitentyp. Damit weiß ein MCP-Agent, was ein Browser-Agent später auf der Seite vorfindet.
RisikoDer Standard bewegt sich noch: Chrome 150 hat die API umbenannt, Chrome 152 hat die Test-API entfernt, und außerhalb von Chrome gibt es bisher fast keine Unterstützung. Gegenmittel: Feature-Erkennung, eine einzige Datei unter /lib/ mit Version im Pfad, und die Seite muss ohne die Bridge genauso funktionieren. Der Einsatz ist klein. Wenn es klappt, gehört der MZP zu den ersten Publishern, deren Seiten Agenten Werkzeuge anbieten.
Moonshot-GradVorreiter, das Ökosystem fehlt noch
PassungGegenstück zu MCP Apps
Aufwand Spikeeine JS-Datei und Einspielpunkt
FremdrisikoSpec und Browser-Support offen

Diagramme für alle Sinne

Barrierefreie Visualisierung ist bisher für Balken und Punkte gelöst, nicht für Graphen. Der MZP besitzt den Graphen und muss nicht vom Pixel ausgehen.

Der Fund

MAIDR (xAbility Lab, University of Illinois) ergänzt Diagramme um drei Modi: Braille für Braillezeilen, Text und Sonifikation. Navigiert wird mit den Pfeiltasten von Datenpunkt zu Datenpunkt. MAIDR wurde vollständig in TypeScript neu geschrieben und arbeitet mit D3, Plotly, Vega-Lite, Chart.js und ECharts zusammen.

Olli (MIT Visualization Group) wandelt ein Diagramm in einen ARIA-Baum mit vier Ebenen um: Überblick, Kodierungen, Intervalle, Datenpunkte. Ein Screenreader kann sich darin von grob nach fein bewegen.

Beide setzen statistische Diagramme voraus, also Achsen und Werte. Für Flussdiagramme, Sequenzen und Architekturbilder, in denen die Bedeutung in den Kanten steckt, fehlt ein solcher Ansatz.

Wer nur ein SVG hat, muss die Struktur zurückraten. Der MZP hat sie, bevor er das erste Pixel zeichnet: Knoten, Kanten, Zonen, Reihenfolge.

Was der MZP daraus machen kann

  • Graph-Baum nach Olli-Art: Diagramm, dann Zonen, dann Knoten, dann Kanten. Pfeiltaste rechts folgt der ausgehenden Kante, Pfeiltaste hoch springt zur umgebenden Zone, F sucht einen Knoten. Erzeugt wird das aus demselben Modell, aus dem auch das SVG entsteht. Es kann also nicht vom Bild abweichen.
  • Hörgraph: Die Tonhöhe steht für die Tiefe im Graphen, die Stereoposition für die x-Lage, die Klangfarbe für die Knotenform. Eine Verzweigung klingt als Akkord, ein Zyklus als wiederkehrendes Motiv. Sequenzdiagramme werden zu Rhythmus: Jeder Teilnehmer ist eine Stimme, jede Nachricht ein Schlag.
  • Radar und Quadrant direkt nach MAIDR-Muster, weil dort Werte vorliegen.
  • Tast-Export: exportTactile erzeugt ein Schwarzweiß-SVG mit verdickten Kanten, Braille-Beschriftung und Legende für Schwellpapier.
ClientAPI Cache?DBHit ARIA-Baum ▾ Diagramm · 5 Knoten ▾ Client → API → Cache? ↳ nein: DB ↳ ja: Hit ◀ Hörgraph · Tiefe → Tonhöhe · x → Stereo Verzweigung = Akkord Wurzel
Ein Modell, drei Ausgaben: das Bild für das Auge, der Baum für Screenreader und Braillezeile, die Tonfolge für das Ohr.

Warum es mehr ist als eine Pflichtübung

Der heutige Viewer setzt einige aria-expanded und aria-pressed, ist aber nicht strukturell navigierbar. Mit dem axe-Lauf (a11y: true, E9) misst der MZP die Zugänglichkeit bereits. Das wäre der Schritt vom Messen zur Fähigkeit. Daraus ergibt sich ein Ziel, das man ehrlich prüfen kann: Eine blinde Person erschließt ein Architekturdiagramm in derselben Zeit wie eine sehende. Der Klang verbindet das Thema außerdem mit den Wettbewerbswerken (niemand-stimmt, wer-a-sagt), in denen der MZP schon mit Klang arbeitet.

Erster Schritt

  1. DiagramAccessTree in application/support/diagram/ erzeugen: ein Record-Baum aus dem Layout-Modell, als <ul role="tree"> neben dem SVG ausgeliefert. Kein neues Paket. MAIDR und Olli dienen als Vorbild für die Bedienung, nicht als Abhängigkeit.
  2. Tastaturpfad im Viewer und dv:mark als Fokusanzeige wiederverwenden. Eine neue Ratsche hält fest, dass jeder Knoten im Baum vorkommt.
  3. Hörgraph als Opt-in-Schalter mit Web Audio. Danach eine Probe mit zwei Screenreader-Nutzern. Ohne diese Probe bleibt es eine Vermutung.
RisikoGut gemeinte Barrierefreiheit ohne echte Nutzer schadet leicht mehr, als sie nützt. Zu viel Ton oder Text ermüdet schnell. Die Probe mit Betroffenen gehört deshalb in den Spike und darf nicht erst danach kommen. Technisch ist das Risiko gering, weil alles im eigenen Code bleibt.
Moonshot-GradGraph-Sonifikation ist kaum erforscht
PassungNutzt das eigene Modell
Aufwand SpikeBaum, Tasten, Web Audio
Fremdrisikokeine externen Abhängigkeiten

Der Herkunftspass

Jede Seite auf dem MZP wurde von einem Agenten gebaut. Der Publisher hält fest, wer, wann, womit und auf welchem Stand, und kann das signieren.

Der Fund

Seit dem 2. August 2026 gilt Art. 50 des AI Act. Der Code of Practice zur Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte wurde am 10. Juni 2026 endgültig veröffentlicht. Er verlangt zwei Schichten maschinenlesbarer Kennzeichnung. Wo das Format es zulässt, gehören dazu signierte, mit Zeitstempel versehene und manipulationssichere Metadaten. Als passende Technik dafür gilt allgemein C2PA (Content Credentials).

Neu ist, dass die C2PA-Spezifikation (2.3 vom Januar, laut Implementierungen inzwischen 2.4) einen eigenen Abschnitt Embedding Manifests into HTML enthält. Das Manifest steht entweder inline als <script type="application/c2pa"> oder wird über <link rel="c2pa-manifest"> verlinkt. Die Bindung läuft über die Bytes des Dokuments. Erste Community-Crates wie c2pa-html existieren, sind aber nicht zertifiziert.

Bilder bekommen inzwischen Content Credentials, interaktive HTML-Seiten bisher nicht. Der MZP sieht jeden Publish vollständig und könnte als einer der Ersten welche ausstellen.

Was der MZP schon weiß

  • Zutaten: fromSlug, usedAssets und listAssetUsage ergeben direkt die C2PA-ingredients.
  • Handlungen: Neu-Publish, mode=patch, rollbackArtifact entsprechen den Aktionen c2pa.created, c2pa.edited und Wiederherstellung. Die Versionskette ist schon da.
  • Prüfungen: Render-Check, axe-Befunde und Layout-Qualität lassen sich als eigene Assertions eintragen, etwa „geprüft und ohne Konsolenfehler“.
  • Urheber: clientInfo des MCP-Aufrufs (Host und Agent), dazu die Diagramm-Quelle als reproduzierbare Zutat.
diagram.json asset-logo v1 · createdClaude · MCP v2 · editedpatch app.js v3 · restoredrollback → v1 ✓✓✓ signiertts · hash render oka11y 0 verweistauf v1 Zutaten (ingredients)
Die Versionskette, die der MZP schon führt, wird zu einer Kette signierter Manifeste. Rollback bleibt als Handlung sichtbar und wird nicht stillschweigend überschrieben.

Wie es aussähe

Der eigentliche Moonshot ist reproduzierbares Publizieren. Weil die Diagramm-Quelle als Zutat signiert ist, kann jeder nachprüfen, dass das SVG wirklich aus genau dieser Quelle mit genau dieser Engine-Version entstanden ist. Der Publisher bestätigt also nicht nur, dass ein Agent die Seite gemacht hat, sondern auch, wie sie entstanden ist.

Erster Schritt

  1. Spike: Kann ein Java-Dienst C2PA-Manifeste schreiben? Kandidaten sind die Rust-Referenz c2pa-rs über deren C-Bindung oder c2patool als Sidecar im Container. Das ist offen und muss zuerst geprüft werden.
  2. Wichtige Stolperstelle: Der MZP ergänzt index.html beim Ausliefern um canonical- und og:-Tags. Eine harte Bindung über Bytes erfordert, dass das ausgelieferte Dokument signiert wird. Die Kopf-Injektion muss also vor dem Signieren passieren, nicht beim Abruf.
  3. Ohne C2PA-Bibliothek vorziehbar: ein JSON-Herkunftsprotokoll je Version (Zutaten, Handlungen, Prüfungen) als eigene Spalte und ein Werkstattpass-Overlay. Die Signatur kommt dann darauf.
RisikoRechtlich ist der MZP vermutlich nicht direkt verpflichtet: Art. 50(2) trifft vor allem die Anbieter generativer Systeme, und die Fristen werden noch verhandelt (Digital Omnibus). Das ist keine Rechtsberatung. Technisch fehlt eine reife Java-Anbindung, und ein Zertifikat aus einer anerkannten Vertrauenskette kostet Geld. Ein selbst signiertes Zertifikat genügt für den Spike, nicht aber für Dritt-Verifier.
Moonshot-GradC2PA für interaktives HTML ist Neuland
PassungVersionen und Zutaten existieren
Aufwand SpikeSignatur, Bindung, Kopf-Injektion
FremdrisikoBibliothek und Vertrauenskette
Am Rand gefunden

Auch gesehen, nicht ganz oben

MZP auf E-Ink

Die TRMNL-Geräte (800×480, 1 Bit) fragen per /api/display einen eigenen Server nach einer Bild-URL („BYOS“, Server unter MIT-Lizenz). Der MZP könnte lebende Reports und die Ratschen-Stadt als PNG unter 90 KB liefern und wäre damit ein Dashboard an der Wand. Charmant, aber eine Nebenrolle.

Plan vor Code (ViviDoc)

Das ACL-2026-Demo ViviDoc lässt Menschen einen DocSpec prüfen, bevor Agenten interaktive Lehrdokumente bauen. Im Blindtest schlägt das naive Generierung deutlich. Das passt als Agent-Workflow zu MZP-168 (Detailstufen und Zielgruppe).

Kreativ-MCPs

Blender-MCP (rund 30 000 Sterne) und Aseprite-MCP zeigen, dass Agenten Werkzeuge mit echtem Handwerk bedienen. Der MZP könnte deren Ausgaben als Assets annehmen. Für einen eigenen Moonshot ist das zu weit vom Kern entfernt.

Empfehlung

In welcher Reihenfolge

ThemaWas es dem MZP gibtWann
II · Alle SinneNutzt das, was nur der MZP hat (das Modell hinter dem Bild), ohne fremde Abhängigkeiten. Das Ziel lässt sich mit echten Nutzern prüfen.zuerst, als Spike
I · WebMCPKleiner Einsatz bei großer Hebelwirkung, aber an einen beweglichen Standard gekoppelt. Wird stärker, sobald MZP-165 (Schritte) und MZP-85 (Simulation) stehen.parallel, eine Woche
III · HerkunftspassDer größte Moonshot. Das unsignierte Herkunftsprotokoll lohnt sich sofort, die Signatur erst nach dem Spike zur Java-Anbindung.Protokoll jetzt, Signatur später

Alle drei teilen einen Gedanken: Der MZP liefert nicht nur Bilder aus, er kennt ihre Bedeutung. WebMCP gibt diese Bedeutung an Agenten weiter, die Sinne-Ausgaben geben sie an Menschen weiter, die Bilder nicht sehen können, und der Herkunftspass belegt, wie sie entstanden ist.

Quellen
  1. webmachinelearning/webmcp – W3C-CG-Entwurf, API-Form
  2. WebMCP in 2026: Browser-Kompatibilität
  3. Chrome 152 entfernt navigator-Kompatibilitäts-APIs
  4. The State of WebMCP: July 2026
  5. xability/maidr – Braille, Text, Sonifikation
  6. MAIDR-Paper (arXiv 2509.13532)
  7. Olli – MIT Visualization Group
  8. olli-adapters README
  9. Jones Day: finaler Code of Practice (Juni 2026)
  10. Cooley: Art. 50 gilt ab 2. August 2026
  11. Clifford Chance: Digital Omnibus, Übergangsfristen
  12. C2PA Specification 2.3
  13. c2pa-html (Community-Crate)
  14. TRMNL BYOS-Dokumentation
  15. trmnl-Crate: Endpunkte und Bildgrenzen
  16. ViviDoc (arXiv 2603.27991, ACL 2026 Demo)
  17. ahujasid/blender-mcp

Einige Angaben, vor allem Chrome-Versionen, Fristen und Spec-Versionen, stammen aus Sekundärquellen, die sich teils widersprechen. Vor einer Umsetzung an der Primärquelle prüfen.