Das abgeschnittene Sierpinski-Dreieck

C(n,k) = |2·L − 1·R| mod 8, Apex = [1] (Familie v3, algo-0077)

Anti-Pascal (IMO 2018/3, |L − R|) hat für Apex [1] ein bekanntes Bild: das Sierpinski-Dreieck, weil |L−R| ≡ L−R ≡ L+R (mod 2). Ersetzt man den linken Term durch 2L, bleibt das Sierpinski-Bild gleich — aber der Zahleninhalt wird zu Zweierpotenzen: T(n,k) = 2^k genau dort, wo der binomische Koeffizient C(n,k) ungerade ist. Nimmt man davon zusätzlich mod m, passiert etwas, das mit reinem Anti-Pascal nicht geht: wenn m und 2 denselben Primfaktor teilen (z. B. m = 8 = 2³), wird 2^k mod m irgendwann exakt 0 — unabhängig davon, ob C(n,k) gerade oder ungerade ist. Ab Spalte k = 3 ist in diesem Dreieck jede Zelle Null. Das Sierpinski-Fraktal wird bei Spalte 3 im wörtlichen Sinn abgeschnitten: was übrig bleibt, sind drei sich wiederholende Diagonalstreifen statt eines unendlich verschachtelten Musters.

Satz (allgemein, für jede ganze Zahl a und jedes m ≥ 2). Für T(n,k) = |a·L − R| mod m mit Apex [1] gilt exakt:

T(n,k) = (a^k mod m) · [C(n,k) ist ungerade]

Beweis. Induktion über n, mit p(m,j) := C(m,j) mod 2 ∈ {0,1} und Kurzschreibweise r_j := a^j mod m. Annahme: T(n-1,j) = r_j · p(n-1,j) für alle j. Setze p1 := p(n-1,k-1), p2 := p(n-1,k). Vier Fälle:

p1 = p2 = 0: beide Elternwerte 0, also T(n,k) = 0. Ziel: p(n,k) = p1 XOR p2 = 0 — stimmt.
p1 = 1, p2 = 0: a·T(n-1,k-1) − T(n-1,k) = a·r_{k-1} − 0 = a·r_{k-1}. Da r_{k-1} = a^{k-1} mod m, gilt a·r_{k-1} ≡ a^k (mod m) — Modulo respektiert Multiplikation mit einer Konstanten, unabhängig davon, wie oft dabei „gewrappt" wird. Also |a·r_{k-1}| mod m = a^k mod m = r_k. Ziel: p(n,k) = 1 XOR 0 = 1, Wert r_k — stimmt.
p1 = 0, p2 = 1: a·0 − r_k = −r_k, Betrag r_k, bereits in [0,m). Ziel: p(n,k)=1, Wert r_k — stimmt.
p1 = p2 = 1: a·r_{k-1} − r_k. Da a·r_{k-1} ≡ a^k ≡ r_k (mod m) und a·r_{k-1} ≥ 0, ist a·r_{k-1} = r_k + m·t für ein t ≥ 0. Differenz = m·t ≥ 0, Betrag ändert nichts, mod m = 0. Ziel: p(n,k) = 1 XOR 1 = 0 — stimmt.

Induktionsanfang T(0,0) = 1 = r_0·p(0,0). Alle vier Fälle schließen den Induktionsschritt. ∎

Korollar — zwei Regime. Ob das Bild klassisches Sierpinski bleibt oder abgeschnitten wird, hängt nur davon ab, ob a^k mod m jemals 0 wird:

BedingungVerhalten von a^k mod mBild
jeder Primfaktor von m teilt a (z. B. a=2, m=8=2³) wird ab einem festen k exakt 0 abgeschnitten — nur die ersten Spalten leben, Rest immer 0
mindestens ein Primfaktor von m teilt a nicht (z. B. a=2, m=5 oder m=6) nie 0, zyklisch mit fester Periode identisch zum klassischen Sierpinski-Nullstellenbild

Geprüft (nicht nur behauptet): a=2 gegen m=5,6,7,9,11 — Nullstellenbild bitgleich zum unreduzierten Fall bzw. reinem Anti-Pascal, exakt wie die Formel vorhersagt. a=3 gegen m=9 (Primfaktor 3 | 3): bricht bei Spalte 2 auf dieselbe Art ab wie hier bei Spalte 3.

Das Dreieck (24 Zeilen — danach wiederholt sich alles exakt)

Zeilensumme ist exakt periodisch mit Periode 4: 1, 3, 5, 7, 1, 3, 5, 7, … — eine direkte Folge der geschlossenen Form, kein Fenster-Artefakt.

Erkannte Fakten