MECHANIK
Warum entsteht das dritte Muster?
Ein Strichraster blockt Licht in gleichmäßigen Streifen. Liegen zwei deckungsgleiche Raster exakt übereinander, kommt genauso viel Licht durch wie bei einem einzelnen Raster — die zweite Schicht ändert nichts.
Sobald beide gegeneinander verdreht sind, verschiebt sich diese Deckung von Zeile zu Zeile: mal treffen zwei dunkle Streifen fast aufeinander, mal füllt ein dunkler Streifen genau die Lücke des anderen. Diese Auf- und Abschwellung der Helligkeit wiederholt sich periodisch quer über die Fläche — das ist die Schwebung, die Sie oben als drittes Muster sehen. Sie hat keinen eigenen Ort im Raster. Sie ist eine Zählweise: wie oft pro Fläche zwei Linien sich fast berühren.
FORMEL
Eine Zeile Mathematik
θ ist der Winkel zwischen den Rastern, p ihr Streifenabstand. Für zwei identische, leicht gegeneinander verdrehte Raster gilt für den Abstand D der Schwebungsstreifen:
D = p / ( 2 · sin( θ / 2 ) )
Je kleiner der Winkel, desto weiter liegen die Streifen auseinander: Schon bei einem Grad Verdrehung beträgt D mehr als das 57-Fache der Rasterweite. Bei null Grad wird der Nenner null — die Raster fallen exakt zusammen, es gibt nichts zu zählen. Nach der Fachliteratur genügt bereits eine Verdrehung von etwa einer Bogensekunde, damit erste Schwebungsstreifen sichtbar werden.
ANWENDUNG
Wo es auftaucht
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Ein eng gestreiftes Hemd im Fernsehstudio: Die Linien des Stoffs und das Pixelraster der Kamera erzeugen live ein Muster, das weder das Hemd noch der Sensor allein zeigen. Fernsehmoderatoren meiden solche Stoffe bis heute deshalb.
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Zwei Maschendrahtzäune oder Fliegengitter hintereinander zeigen den Effekt rein optisch, ganz ohne Kamera oder Bildschirm — ein Beleg dafür, dass Moiré kein Fehler eines Geräts ist, sondern reine Geometrie.
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Mechanische Messkomparatoren nutzen den Effekt gezielt: Die Schwebungsstreifen wandern viel schneller, als sich die Raster tatsächlich verschieben — so werden Bewegungen sichtbar, die kleiner sind als der Rasterabstand selbst.
Der Name kommt vom französischen Wort für „gewässert“ — nach dem schillernden Glanz von gemustertem Seidentaft, der ihn lange vor der Optik trug.